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Emissionshandel: Rösler ist gegen eine Verknappung der CO2-Zertifikate

Die Preise für sogenannte “CO2-Zertifikate”, also Berechtigungszertifikate für die Emission von Kohlendioxid, sind in den letzten Monaten auf Rekordtiefstände gefallen. Auf EU-Ebene soll nun darüber entschieden werden, ob eine größere Anzahl an Zertifikaten aus dem Verkehr gezogen werden sollte, um bei den emittierenden Unternehmen erneut Anreize für der Nutzung emissionsarmer Produktionsmethoden zu schaffen.

Kurz erklärt: Wie funktioniert der Emissionshandel

Die Emissionsrechte für CO2 werden in der EU seit 2005 über den Emissionshandel reglementiert. Bild: © frenta – Fotolia.com

Der Emissionsrechtehandel für CO2-Emissionen wurde im Jahr 2005 in der EU etabliert. Seitdem dürfen Unternehmen nur die Menge an CO2 emittieren, für die ihnen von der EU Zertifikate zugeteilt wurden. Fallen in den Fabriken eines Unternehmens größere Mengen an CO2-Gasen an, so muss dieses entweder seine Produktionsmethoden verändern oder auf dem Markt Zertifikate hinzukaufen. Produziert ein Unternehmen besonders CO2-sparend, so kann es folglich seine Emissionsrechte verkaufen und wird so für seine umweltschonende Produktionsweise belohnt. Die EU selbst kontrolliert die Gesamtmenge der auf dem Markt befindlichen Zertifikate und kann so die Einhaltung von Klimazielen forcieren.

Warum sollen nun Zertifikate vom Markt genommen werden

In den letzten Monaten sind die Preise für die Schadstofflizenzen stark gefallen. Zwischenzeitlich sanken sie auf unter sechs Euro pro Tonne CO2. Die EU sieht damit keinen ausreichenden Anreiz für die Unternehmen mehr gegeben, sich um eine schadstoffarme Produktion zu bemühen und in umweltfreundliche, nachhaltige Technologien zu investieren. Eine Verknappung des Angebotes an CO2-Lizenzen würde die Preise der verbleibenden Papiere erhöhen und so erneut Anreize setzen.

EU-Klimaschutz-Kommissarin Connie Hedegaard sieht daher vor, bis zum Jahr 2015 900 Millionen Zertifikate vom Markt zu nehmen. Bundesumweltminister Altmaier (CDU) vertritt diesbezüglich eine ähnliche Meinung.

Rösler weist auf wirtschaftliche Aspekte hin

Es ist durchaus richtig, dass die Verknappung der Emissionsrechte die beste Möglichkeit ist, die Umweltverschmutzung durch Treibhausgase zu reduzieren. Dennoch gibt es verschiedene Meinungen über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme.

So wies Wirtschaftsminister Rösler (FDP) in einem Interview mit der ARD darauf hin, dass die Verteuerung der verbleibenden Zertifikate, die durch eine Verknappung der Emissionsrechte hervorgerufen würde, nicht nur zu einem Anreiz für Investitionen in den Umweltschutz führen würde, sondern auch zu höheren Produktionskosten – besonders bei Unternehmen, die derzeit noch auf schadstoffintensive Produktionsmethoden angewiesen sind. Dies würde letztendlich an die Verbraucher weitergegeben werden und letzlich auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen beeinträchtigen. Besonders der ohnehin immer teurer werdende Strom würde dann noch unerschwinglicher werden.

Der Umweltschutz müsste also auch in diesem Fall teuer erkauft werden, die Rechnung würde wie so oft letztlich der Konsument bezahlen. Die Frage, ob CO2-Zertifikate vom Markt genommen werden sollten oder nicht, führt letztlich zurück zur bereits häufig diskutierten Frage, wie viel Geld generell für Umweltschutz ausgegeben werden sollte. Sowohl auf deutscher als auch auf EU-Ebende werden hierzu sicherlich noch einige Auseinandersetzungen folgen.

17.12.2012 | Autor: Lena K. | Kategorie: Finanznachrichten

Über die Autorin dieses Artikels:
Lena ist die jüngste im FinanzNewsOnline.de Team. Zu ihren Lieblingsthemen gehören unter anderem Versicherungen und Themen aus dem Online-Umfeld.
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Ein Kommentar zu “Emissionshandel: Rösler ist gegen eine Verknappung der CO2-Zertifikate”

  1. Gabriela schreibt:

    Das eigentliche Problem an der zertifikatregelung sind die vielen ausnahmen. Wenn ausnahmslos jedes unternehmen die zertifikate bräuchte, auch die großen mit CDU/FDP-naher lobby, dann müsste auch nichts aus dem verkehr gezogen werden.



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