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Geldautomat mitsamt Bankfiliale gesprengt: Wie sicher sind eigentlich Geldautomaten?

Ein lauter Knall versetzte in der Nacht zum Montag (24.09.2012) die Nachbarschaft der Sparkassenfiliale in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Nottuln in Aufruhr. Bislang unbekannte Täter hatten nach Angaben der örtlichen Polizei versucht, den in der Filiale befindlichen Geldautomaten aufzusprengen. Bei der Menge des verwendeten Sprengstoffs hatte man sich offenbar etwas verschätzt, denn neben dem Bankautomaten zerstörte die Explosion die gesamte Sparkassenfiliale. Auch weitere Gebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft nahmen Schaden. Menschen wurden bei der Tat nicht verletzt, doch der Sachschaden wird auf mehrere Hunderttausend Euro geschätzt. Offenbar hatten die Täter beim Öffnen des Automaten tatsächlich Erfolg. Nach Angaben eines Polizeisprechers entkamen diese mit einer noch unbekannten Menge an Bargeld. Grund genug für uns, Geldautomaten und deren Sicherheitsmechanismen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wie viel Geld befindet sich in einem Geldautomat?

In einem Geldautomat haben in der Regel bis zu 500.000 Euro Platz. Tatsächlich ist jedoch nur selten so viel Geld im Automat. Bild: © Deminos – Fotolia.com

Die Frage, wie viel Geld sich in einem Geldautomaten befindet, ist pauschal nicht zu beantworten. Die meisten Geldautomaten haben in ihrem Inneren vier Geldkassetten, die jeweils genau 2800 Scheine fassen. Würde je eine Kassette für 10, 20, 50 und 100 Euro-Scheine genutzt, so ergäbe sich ein maximales Füllungsvolumen von gut 500.000 Euro. Praktisch kommt es jedoch eher selten vor, dass ein Automat tatsächlich eine solch hohe Summe beinhaltet. Oft enthalten die Automaten statt 100 Euro-Scheinen 5-Euro Scheine – besonders an Orten, an denen vergleichsweise selten hohe Beträge ausgezahlt werden. Die maximale Füllmenge beträgt dann nur noch 238.000 Euro. Auch werden die meisten Geldautomaten in der Regel gar nicht bis zur Höchstgrenze aufgefüllt, sondern die Füllmenge wird an den Bedarf angepasst. Wie viel Geld tatsächlich im Geldautomaten vorrätig ist hängt daher auch davon ab, wie frequentiert der Automat ist.

Tatsächlich gibt es selten Berichte, bei denen Verbrecher mehr als 20.000 bis 30.000 Euro aus einem aufgebrochenen Geldautomaten entwenden konnten. Häufig ist, wie vermutlich auch im eingangs beschriebenen Beispiel, der entstandene Sachschaden deutlich größer als die erbeutete Summe.

Wie oft werden Geldautomaten angegriffen?

Belastbare Statistiken gibt es nur über die Anzahl an verübten Banküberfällen allgemein. So gibt es derzeit etwa 300 Banküberfälle jährlich. Die Tendenz ist abnehmend, vor zehn Jahren waren es noch etwa doppelt so viele. Laut Medienberichten wird jedoch der Anteil an Angriffen auf Geldautomaten unter den Banküberfällen in den letzten Jahren größer.

Nicht zu den Banküberfällen zählen Manipulationen an Geldautomaten, die der Ausspionierung von Kartendaten und Geheimnummern dienen, sogenanntes “Skimming”. Derzeit werden in Deutschland jährlich tausende Geldautomaten zu diesem Zweck manipuliert, der pro Jahr entstehende Schaden bewegt sich im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Neben Geldautomaten werden teils auch Kartenlesegeräte in sonstigen Geschäften und Türöffner in Bankfilialen manipuliert. Ein großer Teil der deutschen Banken hat daher die Türöffnung mit der Bankkarte außerhalb der Öffnungszeiten wieder abgeschafft.

Mit welchen Methoden werden Geldautomaten angegriffen?

Um einen Geldautomaten ohne zugehörigen Schlüssel zu öffnen, kommt meist rohe Gewalt zum Einsatz. Bei Sprengungen wie im obigen Beispiel werden

Mit Farbe markierter 10-Euro-Schein. Anhand spezieller Partikel in der Farbe kann durch die Markierung genau festgestellt werden, aus welchem Automaten der markierte Schein stammt. Bild: Cruks

oft explosive Gase verwendet, die in das Innere des Automaten geleitet werden und dann per Fernsteuerung gezündet werden. Teils wird zusätzlich Bauschaum in den Automaten geleitet, um die Lautstärke und Außenwirkung der Explosion zu vermindern. Viele moderne Automaten verfügen jedoch über einen sogenannten Gassprengschutz, der eingeleitetes Gas registriert, einen stillen Alarm auslöst und das Geld durch Farbdämpfe unbrauchtbar macht. Die verwendete Farbe erlaubt dabei sogar eine eindeutige Zuordnung des markierten Geldes zu einem speziellen Geldautomaten. Auch von außen angebrachte Sprengsätze und Winkelschleifer kommen bei Angriffen auf Geldautomaten zum Einsatz.

Dank moderner Sicherheitstechnik kann zwar ein großer Teil der Angriffe verhindert werden bzw. zumindest die Beute zerstört werden, dennoch fanden auch 2012 immer noch zahlreiche erfolgreiche Angriffe statt.

Erschreckenderweise werden auch heute immer wieder relativ simple Methoden bekannt, die ohne Gewalteinsatz zum Erfolg führen. So war es bis vor wenigen Jahren noch möglich, beim Geldabheben nur einen Teil der abgehobenen Geldscheine aus dem Automaten zu entnehmen. Nach einiger Zeit zog der Automat dann die übrigen Geldscheine wieder ein, buchte aber den kompletten Betrag auf das Konto zurück. Mittlerweile können fast alle Geldautomaten überprüfen, wie viele Scheine sich noch im Ausgabeschlitz befinden, eventuelle Fehlbeträge können klar dem entsprechenden Bankkunden zugeordnet werden.

In den USA gelang es Sicherheitsexperte Jack Barnaby im Jahr 2010, mit einem simplen Trick eine Schadsoftware auf Geldautomaten einzuschleusen, die die Automaten dazu bewegte, unbegrenz Geld auszugeben. Er hatte sich dabei einfach selbst drei Geldautomaten bestellt und festgestellt, dass die Herstellerfirma für alle Automaten den gleichen Schlüssel verwendete. Mit diesem Schlüssel konnte er die Automaten öffnen und die Software über einen dann zugänglichen USB-Port aufspielen. Barnaby nutzte die gefundene Sicherheitslücke nicht aus, sondern stellte sie auf einer Fachkonferenz vor, woraufhin er in der Fachwelt großes Aufsehen erntete.

24.09.2012 | Autor: Johannes H. | Kategorie: Finanznachrichten

Über den Autor dieses Artikels:
Johannes schreibt bereits seit Gründung für FinanzNewsOnline. Er ist unter anderem für das Finanzlexikon und für aktuelle Meldungen zuständig.
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2 Kommentare zu “Geldautomat mitsamt Bankfiliale gesprengt: Wie sicher sind eigentlich Geldautomaten?”

  1. Stefan schreibt:

    Guter Artikel!
    Zu erwähnen wären noch Angriffe, bei denen der Automat mitgenommen und der Tresor später geöffnet werden soll. Ist häufig auf Grund des hohen Gewichtes und der äußerst massiven Verankerung nicht erfolgreich. Meist versuchen die Täter mit Fahrzeugen die Verankerung auszureissen.

  2. Mechthild schreibt:

    Die Darstellung der Angriffe auf Geldautomaten ist in kleinen Passagen korrekturbedürftig.

    Banküberfalle sind statistisch Gewaltdelikte gg. Personen.

    Gewaltsame Öffnungen von Geldautomaten richten sich gegen Sachen und werden je nach Angriffsart unterschieden
    Sprengung – Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion
    Aufhebeln/Aufflexen/Rausriss – Schwerer Einbruchdiebstahl in/aus Automaten
    Skimming – Betrug/Computerbetrug

    Fallzahlen werden jährlich durch das BKA in der PKS veröffentlicht und stehen online zur Verfügung.



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