Groupon Testpage

Das Geschäftsmodell Groupons dürfte den meisten mittlerweile bekannt sein. Dennoch möchten wir es der Vollständigkeit halber nochmals kurz erläutern. Groupon bietet seinen Partnerunternehmen – eingedeutscht oft „Merchants“ genannt – die Möglichkeit, für ihre Produkte oder Dienstleistungen in kürzester Zeit sehr viele neue Kunden zu Gewinnen. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Unternehmen den von Groupon vermittelten Kunden einen Rabatt von zumeist mindestens 50% gewährt. Der Merchant verkauft also seine Produkte über den Zwischenhändler Groupon zum halben Preis, erhält dafür aber viele Neukunden, die im Idealfall zu Stammkunden werden und künftig den vollen Preis bezahlen. Natürlich will hierbei auch Groupon Geld verdienen, sodass von dem vom Endkunden bezahlten Betrag nochmals eine Provision von etwa 50% an Groupon gehen. Verkauft ein Merchant also ein Produkt, das normalerweise 10 Euro kostet über Groupon, so bleiben ihm bei 50% Rabatt und 50% Groupon-Provision letztlich noch 2,5 Euro an Einnahmen übrig.

Groupon, Inc. Aktienkurs

Vor dem eben beschriebenen Hintergrund, dass einem Merchant bei einem Verkauf seines Produktes über Groupon mit 50% Rabatt für den Kunden letztlich nur 25% der üblichen Einnahmen zukommen, wird klar, dass sich dieses Geschäftsmodell nur in zwei Fällen für den Merchant lohnen kann: Entweder muss die normale Gewinnmarge des Merchants extem hoch sein, mindestens im Bereich der angesprochenen 75% oder ein beträchtlicher Teil der durch Groupon neu gewonnenen muss tatsächlich zu Stammkunden werden. Beides scheint in vielen Fällen nicht gegeben zu sein. Eine Marge von 75% ist in den allermeisten Branchen äußerst unrealistisch. Besonders im Bereich der Gastronomie, der bei Groupon durchaus häufig vertreten ist, ist eine solch hohe Gewinnmarge höchstens in großen Ausnahmefällen zu erzielen. Wie viele der Kunden, die auf das Rabattangebot angesprochen haben, tatsächlich zu Stammkunden werden ist sicherlich von Deal zu Deal äußerst unterschiedlich. Zu bemerken ist jedoch, dass Groupon vor allem eine bestimmte Art von Kunden anspricht: Schnäppchenjäger. Ein Kundensegment, dass wohl – gerade bei normalerweise eher hochpreisigen Produkten – nur schwierig dazu zu bewegen ist, das Produkt anschließend auch zum Normalpreis zu konsumieren.
Am ehesten „groupongeeignet“ scheinen also Produkte zu sein, die von Natur aus hohe Gewinnmargen haben oder aber solche, bei denen ein Mehrverkauf nur zu geringen Mehrkosten für den Verkäufer führt. Ersteres trifft beispielsweise auf bestimmte Schmuckstücke zu, letzteres zum Beispiel auf die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Hier kann sich der Verkauf über Groupon für den Merchant tatsächlich lohnen. Auch hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn wenn man auf die eigenen Produkte zu oft oder zu viel Rabatt gewährt, ist vielleicht bald kaum noch jemand bereit, den vollen Preis zu bezahlen. So kann der entsprechende Merchant zwar seine Kundenanzahl vervielfachen, macht sich aber gleichzeitig seine ehemals so gute Gewinnmarge zunichte. Ein Trade-Off der wohl den wenigsten Herstellern von Luxusprodukten wünschenswert erscheinen dürfte.

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