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Der Dispositionskredit – wirklich „zu teuer“?

Kreditnehmer jubeln, Sparer sind verzweifelt. Grund dafür ist das fast schon extrem niedrige Zinsniveau an den internationalen Geld- und Kapitalmärkten. Dieses sorgt dafür, dass Banken und Sparkassen einerseits nur sehr überschaubare Zinssätze an ihre Sparer weitergeben können. Andererseits sind Kredite in der jetzigen Situation jedoch deutlich günstiger als in der Vergangenheit. Vor allem Menschen, die sich den Traum der eigenen vier Wände verwirklichen möchten, haben derzeit durchaus eine historisch gute Chance auf eine kostengünstige Baufinanzierung.

Doch die Konditionen einer bestimmten Kreditart sind nicht wenigen Menschen ein Dorn im Auge. Der sogenannte Dispositionskredit ist nach Meinung vieler nach wie vor viel zu teuer. Auch Verbraucherschützer kritisieren diesen Umstand. Bei dieser Kreditart handelt es sich um eine Kreditlinie, die an einem Girokonto hinterlegt wird und somit dem Kontoinhaber bzw. dessen Bevollmächtigten geduldete Überziehungen des entsprechenden Kontos ermöglicht. Der Dispositionskredit – kurz auch als „Dispo“ bezeichnet – ist damit praktisch der flexibelste Kredit, den man finden kann. Doch in der Tat haben die meisten Banken ihre berechneten Zinssätze für solche Darlehen nicht oder nur unwesentlich gesenkt – trotz deutlich gesunkenem Zinsniveau an den Märkten. Nicht selten werden 12% bis 17% Zinsen pro Jahr für die Nutzung eines Dispositionskredites erhoben. Vor allem Kontoinhaber, die einen solchen Kredit langfristig nutzen (müssen), werden deshalb durch die anfallenden Zinskosten stark belastet.

Dispozinsen sind nicht grundlos hoch

Doch worin liegt der Grund für hohe Dispozinsen? Die Kreditinstitute begründen die relativ hohen Zinssätze mit recht hohen Ausfallraten bei dieser Art Kredit. Das stimmt grundsätzlich. Denn vergleicht man das Rückzahlungsverhalten von Bankkunden bezüglich verschiedener Kreditarten, dann fallen Unterschiede auf. Baufinanzierungen oder Konsumdarlehen werden im Regelfall deutlich zuverlässiger zurückgezahlt. Dispositionskredite hingegen in der Masse betrachtet relativ häufig nicht. Die Ursache dafür kann vielfältig sein. Im Rahmen „richtiger“ Kredite erfolgen zumeist deutlich gründlichere Bonitätsprüfungen vor einer Darlehensausreichung. Die Einräumung einer Dispositionskreditlinie erfolgte in der Vergangenheit hingegen meist relativ locker. Lediglich Gehalt aus einem unbefristeten Arbeitsverhältnis mussten betroffene Antragsteller in der Regel nachweisen. Angesichts hoher Ausfallraten ziehen die Institute mittlerweile auch andere Quellen zur Beurteilung der Bonität des Kreditantragstellers heran – beispielsweise Schufa-Auskünfte oder selbst erstelle Scoring-Noten. Trotzdem zahlen Kunden, die aktuell einen Dispositionskredit nutzen, praktisch das immer noch erhöhte Risiko der Bank.

Eine Umschuldung kann sich lohnen

Wer einen Dispokredit über längere Zeit benötigt, fährt in aller Regel besser, wenn er stattdessen auf einen Ratenkredit umschuldet. Bild: © cirquedesprit – Fotolia.com

Wer seine Dispositionskreditlinie dauerhaft nutzt bzw. nutzen muss, sollte handeln. Denn aufgrund der beschriebenen hohen Kosten ist die finanzielle Belastung sonst sehr hoch. Dispositionskredite sollten aus diesem Grunde immer nur für kurzfristige Überziehungen dienen. Bei langfristiger Nutzung sind Konsumdarlehen zu empfehlen. Auch dann, wenn Betroffene plötzlich feststellen, dass ein genutzter Dispo zur finanziellen Belastung wird, die wohl noch mittel- bis langfristig bestehen bleiben wird, sollte daraus ein Konsumdarlehen gemacht werden. Dieser Vorgang wird als sogenannte Umschuldung bezeichnet. Ein Kredit wird ausgereicht, der letztlich zur Deckung des bis dahin genutzten Dispositionskredites dient. Da es sich bei Umschuldungen aus Dispokrediten meist um vergleichsweise kleine Beträge handelt, kann der benötigte Kredit oft relativ unkompliziert beantragt werden. Der Vorteil: Ab dem Zeitpunkt der Umschuldung fallen keine Kosten mehr für den Dispo an. Die Zinsen des Darlehens sind in aller Regel deutlich niedriger. Auf diese Weise lassen sich unter dem Strich Zinskosten einsparen. In solchen Situationen kann man daher tatsächlich einen Kredit aufnehmen ohne Kopfschmerzen haben zu müssen. Natürlich sollte man sich dennoch zuvor über die genauen Kreditbedingungen und Konditionen informieren.

Fazit

Sicher ist, dass Dispositionskredite durchaus sehr teuer sind. Vor allem das recht niedrige Zinsniveau sorgt nicht gerade für Verständnis, was aktuelle Konditionen solcher Kredite betrifft. Allerdings sind die von den Kreditinstituten vorgebrachten Hintergründe nachvollziehbar. Fakt ist, dass jeder Bank- und Sparkassenkunde darauf achten sollte, Dispositionskredite grundsätzlich nur möglichst kurzzeitig zu nutzen – dafür existiert diese Kreditart. Mittel- bis langfristige Finanzierungen hingegen sollten unbedingt mittels Konsumdarlehen oder anderen Finanzierungsformen durchgeführt werden. Diese sind deutlich günstiger.

23.02.2013 | Autor: Lena K. | Kategorie: Finanznachrichten

Über die Autorin dieses Artikels:
Lena ist die jüngste im FinanzNewsOnline.de Team. Zu ihren Lieblingsthemen gehören unter anderem Versicherungen und Themen aus dem Online-Umfeld.
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