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Beim Immobilienerwerb nicht überstürzt handeln – Kredite bleiben voraussichtlich längerfristig günstig

Es mutet schon etwas paradox an, dass Verbraucher beim Kauf eines Fernsehers oder auch eines neuen Möbelstückes oftmals wochenlang Vergleichsangebote sichten und sich dann für das beste Angebot entscheiden, dass aber auf der anderen Seite nicht wenige Verbraucher bei einem Immobilienkauf die Verträge im Eiltempo unterschreiben. Dabei ist es zwar verständlich, wenn angesichts der aktuell niedrigen Zinsen für Immobilienfinanzierungen Banken eine verstärkte Nachfrage nach Krediten verzeichnen. Genau das kann aber zu einem Problem werden. Denn längst sind Banken nicht mehr nur Berater, sondern auch Verkäufer und wenn die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse es zulassen, dann werden auch die Kredite letztendlich bewilligt. Oftmals auch mit dem Wissen, dass die potenziellen Immobilienerwerber sich diesen Schritt nicht so gut überlegt haben wie sie es eigentlich sollten.

Trotz momentan verlockender Finanzierungsangebote, sollte man beim Immobilienerwerb keinesfalls überstürzt handeln. Günstige Baukreditzinsen wird es vermutlich auch in mittelfristiger Zukunft noch geben. Bild: © PhotographyByMK – Fotolia.com

Sind die Verträge aber unterschrieben und die Gelder ausgezahlt, gibt es meist kein Zurück mehr. Und die Folgen sind für den Fall, dass ein Immobilienkauf überstürzt entschieden wurde, oftmals gravierend. Gerade wenn es um die Finanzierung eines Neubaus geht, sind nicht selten höhere Kosten als erwartet zu verzeichnen. Man sollte deshalb bei der Auswahl des Bauträgers sorgfältig sein und den Vertrag mit diesem unbedingt durch einen Sachverständigen prüfen lassen. Entscheidend ist beispielsweise, was im Falle von festgestellten Baumängeln geschieht, die oft hohe Nachbesserungskosten zur Folge haben und im schlimmsten Fall einen Bezug des Hauses nicht möglich machen und stattdessen einen teuren Hotelaufenthalt zur Folge haben können, wenn das bisherige Domizil bereits gekündigt wurde.

Zusätzliche Kosten entstehen auch dann, wenn bei der Finanzierung nicht genug Spielraum eingeplant wurde. Einen Finanzierungspuffer sollten Bauherren immer einkalkulieren, selbst wenn ein Bauträger schlüsselfertiges Bauen verspricht. Dann ist das Haus zwar fertig, aber längst noch nicht eingerichtet. Ganz zu schweigen von dem noch anzulegenden Garten, der in der Regel nicht in den Umfang des schlüsselfertigen Übergabe gehört. Wer sich da nicht umfassend informiert, kommt schnell in einen finanziellen Engpass. Die dann oft nötige Nachfinanzierung ist in der Regel deutlich teurer als die des ursprünglichen Baudarlehens. Eine genaue Planung der Finanzierung über einen Finanzierungsrechner ist auf jeden Fall ratsam.

Trotz aller Warnungen gibt es dennoch nicht wenige Verbraucher, die es angesichts der aktuell günstigen Möglichkeiten zur Hausfinanzierung sehr eilig haben, eine Immobilie zu erwerben, auch weil sie etwas für ihre private Altersvorsorge tun möchten. Auch hegen sie nicht selten die Befürchtung, dass die Zinsen in Zukunft eine so günstige Immobilienfinanzierung wie derzeit nicht mehr hergeben. Die Entwicklung der Zinssätze in den letzten zwölf Monaten hat indes eine andere Tendenz zutage gebracht. Der Verlauf der letzten Monate und die momentane wirtschaftspolitische Entwicklung deuten alles andere als auf einen baldigen dramatischen Anstieg hin, wenngleich es womöglich die eine oder andere kurzfristige Schwankung nach oben oder unten geben wird. Auch die Inflationsrate wird nach Meinung der meisten Experten zumindest in den nächsten zwei Jahren nicht so stark ansteigen, dass dies ein schnelles unüberlegtes Handeln beim Hauskauf rechtfertigen würde. So gibt es daher überhaupt keinen Grund für Verbraucher, den Kauf einer Immobilie zu überstürzen.

Wer den Kauf tatsächlich anstrebt, sollte neben der Zinssituation vor allem den Immobilienmarkt an sich beobachten. Denn eine nicht zu unterschätzende Gefahr bei einem spontanen Immobilienkauf besteht auch darin, dass die Immobilie überhaupt nicht den Anforderungen des Interessenten entspricht oder zum Zeitpunkt des Kaufes bereits überbewertet ist und daher in den folgenden Jahren an Wert verliert.

Insgesamt sollten Verbraucher angesichts der Zinsentwicklung auf dem Kapitalmarkt ruhig und besonnen in die Zukunft sehen und sich in aller Ruhe auf die Suche nach einer wirklich passenden Immobilie machen, die durch die Banken auch entsprechend passend finanziert wird. Eile besteht nicht!

1.10.2012 | Autor: Sabrina S. | Kategorie: Finanznachrichten

Über die Autorin dieses Artikels:
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