Techniker Krankenkasse: Rückzahlungen an Mitglieder eigentlich nur dritte Wahl

Die Techniker Krankenkasse (TK) plant einen Großteil ihrer Rücklagen in Milliardenhöhe in Form von Rückzahlungen an ihre ca. 6 Mio. Mitglieder zu erstatten. Der Verwaltungsrat der TK debattiert derzeit noch über die genaue Höhe der Rückzahlungen. Diese Diskussionen werden noch bis zum 12. Oktober geführt und dann der Öffentlichkeit mitgeteilt. Schätzungen zufolge dürfte diese Rückzahlung etwa 100 Euro pro Mitglied betragen – die Prämie erhalten alle Alt- sowie Neukunden. Wer also Verwendung für 100 Euro in 2013 hat, kann noch bis Oktober seine Krankenversicherung kündigen und zur Techniker Krankenkasse wechseln.

Eigentlich hätte die Techniker Krankenkasse ihre finanziellen Überschüsse lieber anderweitig für ihre Mitglieder eingesetzt - um Bürokratie zu vermeiden hat man sich jedoch für eine Rückzahlung entschieden. Bild: © Schlierner - Fotolia.com

Da in den letzten Jahren Krankenkassen immer größere Rücklagen verzeichneten – weit mehr als 20 Milliarden Euro – musste die Politik reagieren. Das Bundesversicherungsamt drohte bereits mit dem Zwang für die Kassen, Überschüsse ihrer angesparten Gelder an ihre Mitglieder zurückzugeben. Bisher mauern die Krankenkassen. Die Techniker Krankenkasse ist bisher die einzige, die ihre Versicherten Anteil haben lässt an den Erfolgen der letzten Geschäftsjahre. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) begrüßte diesen Schritt und lobte ihn als „ein gutes Zeichen für den Wettbewerb im Gesundheitswesen“.

Über 2,8 Milliarden Euro an Rücklagen bei deutschen Krankenversicherern
Die TK ist bei weitem nicht der einzige Krankenversicherer, der derzeit mit einer guten Finanzlage glänzen kann. Bereits zu Beginn des Jahres überschritten auch die AOK Plus und einige andere ihre Höchstgrenzen an Rücklagen von etwa zwei Monatsausgaben. Ihr Gesamtbudget belief sich auf knapp 2,8 Milliarden Euro. Dieses Jahr rechnet der Vorstand der Techniker Krankenkasse mit über 800 Millionen Euro an Umsatzüberschuss. 2013 werde angeblich mindestens genauso erfolgreich, so die Prognosen des Vorstands der TK.

Aufgrund der Werbewirkung der Rückzahlungen werden die bisher knapp 6 Millionen Mitglieder der TK voraussichtlich um mehrere hunderttausend Neu-Versicherte wachsen, mit deren Hilfe die Kasse weitere Überschüsse erwirtschaften kann – dies lässt vermuten, dass 2014 noch größere Rückzahlungen seitens der TK bevorstehen könnten. Entsprechend wertete AOK-Chef Jürgen Graalmann die Rückzahlaktion der TK als „Marketingaktion“, die Rückzahlungen als „Fangprämie“.

Auch der Staat verdient über Steuereinnahmen mit

Ein kleiner Wehrmutstropfen für die Versicherten der TK: Die Rückzahlungen müssen regulär versteuert werden und reduzieren in der Steuererklärung des entsprechenden Jahres die abzugsfähigen Sozialversicherungskosten.
Die Techniker Krankenkasse machte auch bereits deutlich, dass die Rückzahlungen des angehäuften Überschusses nicht die erste Wahl gewesen wäre. Man hätte lieber den TK-Kunden die Praxisgebühr erlassen. Dagegen hätte aber der zu große Verwaltungsaufwand gesprochen, der in keiner Relation zum Nutzen stand. Auch die Möglichkeit, weitere freiwillige Leistungen zu finanzieren, habe man nach langen Debatten verworfen.
Viele freiwillige Zusatzbehandlungen und die damit verbundenen Kosten werden zum größten Teil jetzt schon von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, dies ist natürlich auch der guten finanziellen Lage vieler Versicherer geschuldet. Problematisch wäre diese Möglichkeit für die TK auch deswegen, weil man bei einer künftigen Abschwächung des momentanen finanziellen Hochs diese Zusatzleistungen nicht einfach ersatzlos wieder streichen könnte.

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